Neue Technologien, die sich für den Schienenverkehrssektor lohnen

16/05/2023

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In einer Ende 2021 durchgeführten Studie haben wir für unseren Kunden, das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung, neue Technologien untersucht und deren Veränderungspotenzial für diesen Sektor identifiziert.

Für die Studie wurden Verantwortliche des Bereichs Cybersecurity in mehr als 60 Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt. Der erste Teil der Befragung bezog sich auf den jeweiligen Status Quo in puncto Cybersecurity. Im zweiten Teil wurde nach der Nutzung im Unternehmen, dem Potential, aber auch dem Risiko der neuen Technologien gefragt. Das Ergebnis ist eine Einschätzung von insgesamt 12 neuen Technologien im Bahnsektor mit vertiefenden Experteninterviews.

Cloud-Dienste sind im Kommen

Cloud-Dienste, wie Software-as-a-Service, die in anderen Sektoren bereits etabliert sind, werden in den nächsten zwei Jahren einen großen Einfluss auf den Bahnsektor haben. Das Potenzial dieser Technologie wird laut Studie als vielfältig angesehen. Einfache Anwendungsfälle, wie beispielsweise die cloud-basierte Dateiversionierung und die Single Source of Truth, werden dabei besonders hervorgehoben. Insbesondere die Flexibilität von Cloud-Lösungen wurde in der Befragung als Pluspunkt benannt. Rechenzentren müssen beispielsweise nicht mehr in-house betrieben werden; das Monitoring von Störungen liegt nicht mehr auf der eigens dafür angeschafften Hardware im Unternehmen selbst und kann im Bedarfsfall einfach erweitert werden.

Internet of Things und Cloud Computing weisen großes Potenzial aus

Neben den Cloud-Diensten wurden weitere Technologien betrachtet.
Dabei wurden dem Internet of Things (IOT) wie auch dem Cloud Computing ein signifikanter Einfluss in den nächsten Jahren zugesprochen. Das Potenzial von Internet of Things wird beispielsweise als groß erachtet, da es als Enabler für predictive Maintanance genutzt werden kann. Daten aus Kabine, von Reifen oder Bremsen können dabei aufgenommen und verarbeitet werden, um dem Verschleiß optimal entgegenzusteuern oder Ersatzteile zum richtigen Zeitpunkt einzubauen. Voraussetzung dafür ist allerdings die Möglichkeit, große Datenmengen abspeichern zu können, weshalb sich auch hier Cloudservices anbieten.

Die Nutzung von Technologien wie Blockchain und Glasfaser im Bahnsektor sind hingegen noch unklar.

Blockchain vs Galsfaser

Blockchain ist ein Verzeichnis von Informationen, die kryptographisch gehasht und authentifiziert in einem Netzwerk von Teilnehmern verwaltet werden. Die Basis hierbei ist ein kryptographischer Beweis, damit zwei Parteien ohne Dritte miteinander interagieren können.

Cloud Computing stellt Ressourcen in Form von Infrastruktur, Anwendungen oder Dienstleistungen über das Internet zur Verfügung. Cloud Computing ermöglicht es, komplexe oder innovative IT-Infrastrukturen auch kurzfristig in Unternehmen einzubinden.

Cloud Services sind Infrastrukturen, Plattformen, Software oder Technologien, die von einem Drittanbieter gehostet und potenziellen Nutzern über das Internet zur Verfügung gestellt werden. Bekannte Services sind IaaS, PaaS, SaaS oder Function-as-a-Service.

Internet of Things (IoT) ist ein selbst-konfigurierendes drahtloses Netzwerk, in dem Sensoren und Aktoren mit dem Internet oder mit anderen Systemen verbunden werden. In dem IoT können beliebig viele Objekte verwaltet und überwacht werden. Darüber hinaus können die Daten in anderen Anwendungen genutzt werden.

Das Risiko für Cyberangriffe muss betrachtet werden

Natürlich birgt jede neue Technologie nicht nur Chancen, sondern auch Risiken. Der Sektor Bahn ist als kritische Infrastruktur besonders vorsichtig und Veränderungen müssen gut durchdacht werden. Gleichzeitig muss die Bahn Innovationen fördern und auf die Schiene bringen. Nur so können Kunden gewonnen werden.

Auch die Risiken der neuen Technologien sind in der Studie „Security und geplanter Technologieeinsatz“ bewertet worden. Technologien wie Internet of Things oder Cloud Computing haben hierbei besonders risikoreich abgeschnitten. Diese Technologien sollten nicht eingesetzt werden, ohne im Vorfeld für den nötigen Wissensaufbau im Unternehmen gesorgt zu haben. Somit werden beide Technologien als Potenzial betrachtet, weisen gleichzeitig aber auch ein enormes Sicherheitsrisiko bei einer Einführung auf.


Risiken Cyberangriffe

Laut Einschätzung der Befragten geht das geringste Cybersicherheits-Risiko von Glasfaser aus. Grund hierfür ist, dass Glasfaser so gut wie keine Schwächen aufweist oder gehackt werden kann. Eine Technologie, die demzufolge gut eingesetzt werden kann und oder bereits bei vielen Unternehmen verbreitet ist. Allerdings ist das Innovationspotential bei dieser Technologie quasi ausgeschöpft.

Um zu wachsen, muss eine Balance zwischen Sicherheit und Innovation gefunden werden

Das Thema Cybersecurity ist Chefsache und sollte auch so behandelt werden. Es lohnt sich, in das Thema zu investieren und sich als innovatives, aber auch sicheres Unternehmen zu etablieren.

Bevor neue Technologien im Unternehmen eingeführt werden, sollte ein Sicherheits-Experte zu Rate gezogen werden, um die Situation professionell zu überprüfen und auf potenzielle Sicherheitslücken hinzuweisen.

Für die erfolgreiche Einführung der neuen Technologien bietet sich ein iteratives Vorgehen an. So kann beispielsweise ein cross-funktionales Team mit Experten aus angrenzenden Technologiebereichen mit der neuen Technologie experimentieren, so dass diese in einem abgesteckten Rahmen getestet werden kann.

Erst wenn die Fehler behoben und die Tests positiv sind, sollte die neue Technologie in der Organisation weiterverbreitet werden – mit Mitarbeiterschulungen und dem Aufbau eines firmeninternen Expertennetzwerkes.

In der Studie werden weitere Technologien hinsichtlich ihrer kritischen Bedeutung und ihres Potenzials bewertet und eingeordnet. Außerdem wird der Status der Cybersicherheit im Bahnsektor in verschiedenen Untersektoren, wie Eisenbahnverkehrs- oder Infrastrukturunternehmen erläutert.  Die gesamte Studie können Sie hier einsehen.

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Autor

Patrik Krause

Patrik Krause ist Senior Consultant bei der 3DSE Management Consultants GmbH in München und berät seit fast 5 Jahren Unternehmen im Hochtechnologiebereich. Seine Schwerpunkte als Berater liegen in den Bereichen Systems Engineering, Produktarchitekturen, IT Systeme, Trainings und Forschung. Sein Branchenfokus liegt im Bereich Defense, MedTech und Space.